Belva von und zu Glavulk

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Belva von und zu Glavulk

Beitrag von Shoggoth am Do Feb 19, 2015 9:24 pm

Ich? Ich bin nur der Besitzer dieses netten Schankhauses, mehr nicht. Ach, was ich war, fragt ihr euch? Nun... ein Jäger.
Jetzt mag euch die Frage in den Sinn kommen woher ich denn das Geld für all das hier habe. Man könnte sagen es ist mein Erbe. Nicht das dieses Gebäude jemals zuvor meiner Familie gehört hätte, nein. Vielmehr habe ich mein Vermächtnis zu Geld gemacht um damit dies hier alles bezahlen zu können.
Wie man vielleicht herausgehört hat, stamme ich aus keiner Jäger-Familie, weder mein Vater noch mein Großvater noch mein Ur....Ah, ihr versteht, ich sehe. Entschuldigt. Mein Stammbaum war eher politisch, könnte man sagen. Blaues Blut und so weiter. Wobei es gar nicht so blau ist, wie sich herausstellte. Achja, ein Detail wäre mir fast entfallen.
Monster, meine ganze widerliche Familie besteht aus Monstern. Bestand, muss ich wohl sagen.
Habe ich jetzt euer Interesse geweckt? Ja, das sehe ich doch. Monstergeschichten sind immer etwas Feines, nicht nur als kleiner Bub, nicht wahr?
Aber beginnen wir doch von ganz vorne. Ungefähr bei meiner Geburt. An die ich mich, zugegeben, nicht wirklich erinnere, aber ich vermute dass sie ganz normal abgelaufen ist. Auch nicht weiter wichtig, wichtig ist nur dass ich ein Kind aus der Familie Glavulk bin. Sagt euch nichts? Muss es auch nicht. Mein Heimatland ist ein gutes Stück entfernt von hier, übrigens ein Drecksloch sondergleichen. Viele Bäume, ein paar Berge und Regen. Viel verdammter Regen. Kaum ein Tag an dem die Sonne zu sehen ist. Wirklich nicht für eine Reise wert.
Wo war ich? Genau, ich bin ein von und zu Glavulk, könnte man sagen. Aber diese Förmlichkeit spare ich mir, es reicht mich Belva zu nennen.
Aber genug davon. Ich bin noch nicht bei den Monstern angekommen, nicht wahr? Es tut mir furchtbar Leid, lasst mich euch noch eben schnell ein Bier einschenken. Gut, also... Zunächst war ich nur ein Kind, logischerweise. Damals fielen mir halt die seltsamen Dinge noch nicht auf, weil ich es nicht anders kannte. Meine Familie ritt oft aus, auch während der Nacht, aber wir kleineren Geschwister mussten in der Burg warten. Stinklangweilig, sage ich euch. Es gab ja nichts zu tun, irgendwann habe ich mich einmal in die Bibliothek verirrt und da meine Tage verbracht. Und eine nicht ganz unerhebliche Zeit im Keller, beim Waffenmeister. Ein netter Kerl, vielleicht etwas zu enthusiastisch, hätte er mich einmal fast unterm einem Haufen Äxte begraben. Hach ja...
Jedenfalls war ich ja nicht dumm. Wer gerade gelacht hat, kriegt eine drüber, verstanden? Ich merkte das etwas nicht ganz richtig war, nie hatten wir Besuch oder hörten uns Anliegen von Bauern an, obwohl das eine Aufgabe der Regierenden war, hieß es in den Büchern.
Die Antwort fand ich darauf als ich das Mannesalter erreichte. An meinem 14. Geburtstag hieß mich mein Vater in der Familie willkommen. Und dann wusste ich warum man uns mied. Man fürchtete uns. Denn wir waren Monster. Und nicht irgendwelche Monster, nein, Werwölfe. Blutrünstige Bestien die Nachts ihre Opfer zerfleischen. Wir sind halb Mensch, halb Wolf und riechen Fleisch schon aus Meilen Entfernung. Unsere Zähne und Klauen sind riesig und wir können einen Mann mit einem Hieb entzwei schlagen. So sagt man jedenfalls. Nicht dass etwas davon stimmen würde...oder vielleicht doch?
Ihr denkt es euch vielleicht schon, aber ich war damals etwas geschockt von der Erkenntnis. In der ersten Vollmondnacht nach meinem Geburtstag wurde ich mit auf die Jagd genommen. Dieser blutige Vollmond würde meine Kraft erwachen lassen, so hatte man mir es vorhergesagt. Ich versuchte mich dafür zu wappnen, allerdings... Nun, es war nicht schön.
Nur Fetzen meiner Erinnerung bleiben heute noch, aber diese Fetzen rauben mir jede Nacht den Schlaf. Es ist der Gedanke daran meine Zähne in blutiges Fleisch zu schlagen. Die Sehnen und Muskeln mit meinen Klauen zu zertrennen und Knochen zu zerbrechen... Kennt ihr das Gefühl eure Finger durch den Brustkorb eines Kleinkindes zu bohren? Könnt ihr euch die Schreie von der Mutter vorstellen, wenn ich ihren Sohn, zusammen mit ihrem Mann, wie ein Tier in mich hineinschaufele?

….

Das ich diese Nacht vergessen wollte, das brauche ich nicht zu erwähnen. Aber vor allem wollte ich etwas anderes. Um Vergebung bitten. Für das, was ich getan hatte, für das was ich tun würde und für das was ich bin. Aber wer hörte mir zu? Meine Familie sicher nicht. Also begab ich mich auf die Suche. Und fand jemanden. Einen Jäger.
Allerdings jagte dieser Mann keine Tiere, sondern Bestien. Monster. Mich, wenn man so will. Als ich erfuhr was er tat, so entschied ich mich ihm gegenüberzutreten. Er richtete über meinesgleichen, also sollte er mich entweder ins Grab schicken, oder von meinen Sünden befreien. Doch es kam anders. Er nahm mich in seine Dienste auf, er lehrte mich das Handwerk der Jagd. Obwohl dies ein wenig schwieriger war als die einfache Jagd auf Tiere, so erwies ich mich doch als eifriger Schüler. Denn ich hatte ein Ziel, das Ziel diejenigen zu befreien die wie ich leiden mussten. Leiden unter dem als was sie geboren wurden. Ein reiner Akt der Gnade, möchte man sagen. Außerdem brauchte ich Beute um …. um mich ruhig zu stellen, könnte man sagen.
Nach meinen Lehrjahren ging ich alleine auf Jagd und durchstreifte Länder, Städte und Dörfer immer auf der Suche nach Spuren von Bestien.
Irgendwann stieß ich auf ein kleines, ärmliches und verregnetes Dorf. Es kam mir wage bekannt vor, aber ich fühlte mich nicht wohl dort. Am liebsten wäre ich weitergereist, aber meine Instinkte führten mich dort hin. Und an den gehetzten Blicken, dem stummen Dorfleben und den verschlossenen Fensterläden und Türen konnte man leicht erkennen das ich auf meine Fährte gestoßen war.
Ich bereitete mich gut vor und wartete dann. Meine Beute wollte gut aussondiert werden, ich musste jeden Schritt kennen. Also beobachtete ich. In der Nacht kamen sie. Ich kannte sie gut, ihre Jagdmuster glichen den meinen, nur waren sie primitiv. Nur rohe Kraft und Schnelligkeit. Der Kopf und der richtige Zeitpunkt spielten keine Rolle für sie. Denn sie erwarteten keine Gegenwehr. Ein silberner Bolzen aus meiner Armbrust bewies die Dummheit des Ersten. Schon vorher hatte ich andere Werwölfe gefällt, aber diese waren anders. Sie hatten sich fett gefressen, da sie niemanden zu fürchten hatten. Sie lauerten nicht ständig im Schatten um sich ein einzelnes Opfer zu schnappen, sie waren unvorsichtig. Und sie waren meines Blutes.
Als ich auf das tote Gesicht meines Bruders hinabstarrte kam mir ein grimmiges Lächeln. Ich würde Abbitte leisten mit meinen Taten. Diejenigen die mein Leiden zu verantworten haben, müssen sterben. Jeder von ihnen. Bewaffnet mit Armbrust und Axt stapfte ich auf die Burg auf der Anhöhe zu.
An diese Nacht kann ich mich noch gut erinnern. An jedes Gesicht, das im letzten Moment begriff, welcher Jäger gekommen war um ihrem Leben ein Ende zu machen. Kein Flehen oder Betteln wurde erhört, am Ende der Nacht war die Burg still. Nur noch meine Schritte hallten auf dem Boden wieder, als ich langsam auf den Thron zuschritt. Ich blieb davor stehen. Ein Monster als König... das war mein Vater gewesen. Und ich wurde zu seinem Henker. Dann hieb ich meine Axt in den Thron und ging.
Und als rechtmäßiger und einzig verbliebener Erbe, war es an mir die Besitztümer zu verwalten. Was ich auch tat, gewissermaßen.
Nun bin ich hier. Meine Jagd ist beendet.
Oh... wie ich sehe habe ich mich wieder verquatscht... Ihr seht nicht mehr so aus als ob ihr mich hören könntet. Hallo? Achso, ich sehe, unser Spezialbier... Gut, das ist nichts für schwache Mägen. Schlaft gut, die Zeche begleicht ihr Morgen früh. Nicht wahr? Ihr würdet doch keine Bestie betrügen? Hahaha!

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